Flug nach Italien und Frankreich – Corona Edition
Text und Fotos: Anita Just & Josef Pfleger
Es ist Juli 2020, und wir sind eigentlich auf einer Hochzeit in Italien eingeladen. Eigentlich, weil die Hochzeit findet nicht statt, sie wird aufgrund der Corona-bedingten Situation kurzfristig auf 2021 verschoben.
Da wir den Flieger zur Anreise allerdings bereits reserviert haben und nach etwas Recherche feststellen, dass Flüge nach Italien grundsätzlich mit etwas Aufwand und Vorbereitung möglich sind, entscheiden wir uns, die Reise dennoch anzutreten, auch um nach den vielen Wochen Lockdown wieder etwas Urlaubsstimmung zu erleben.
Wir holen somit eines schönen Freitagmorgens die OE-CFF aus dem Hangar und starten unsere Route gen Süden. Josef hat mit diesem zuverlässigen Flugzeugklassiker das Fliegen gelernt und wollte schon immer eine längere Reise mit ihr unternehmen. Sie wird sich im Laufe der Woche als ausgezeichnete Wahl erweisen.
In Feldkirchen legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein, bevor es durch die malerischen slowenischen und italienischen Berge nach Venedig geht. Der Aeroporto Nicelli ist mit seiner Graspiste und Nähe zur Lagunenstadt eine wirklich traumhafte Kulisse. Wir schlendern zum Lido, der sich ungewohnt leer zeigt und lassen uns ein paar Panini zum Mittagessen schmecken. Kurz überlegen wir, auch mit dem Boot in die Stadt zu fahren, entscheiden uns dann aber aus Zeitgründen dagegen. Wir werden das einige Wochen später noch nachholen und Fotos vom leeren Markusplatz schießen, aber das ist eine andere Geschichte.
Die italienischen Fluglotsen werden uns übrigens im Laufe unserer Reise – und auch bei Flügen nach Italien in den Jahren danach – häufig zum Schmunzeln bringen. Wir werden von ihnen sehr regelmäßig gefragt, wo wir eigentlich hinfliegen (trotz aufgegebenem Flugplan), wo wir uns gerade befinden und was unser „estimate“ zu einem der nächsten Wegpunkte ist. Der häufigste Satz – egal ob es ein Request für „direct to“ oder Frequenzwechsel ist – den wir hören, ist „we coordinate“ danach kann es manchmal auch ein bisschen dauern, bis etwas koordiniert ist.
Im Anschluss an Venedig geht es in knapp eineinhalb Stunden weiter zu unserem Tagesziel, dem Flugplatz Lucca. Wir parken uns neben einem Sikorsky Skycrane ein, der gerade für Löscharbeiten vorbereitet wird. Bekommt man auch nicht alle Tage zu sehen!
Lucca hat eine sehr nette kleine Altstadt, wir schlendern durch und bewundern das Wahrzeichen, den Guinigi Turm, aus dessen Spitze die Steineichen wachsen. Da uns allerdings ein Turm pro Tag nicht genug ist, setzen wir uns in den Zug und fahren einen noch viel berühmteren ansehen – der ist allerdings etwas schief geraten.
Auch in Pisa ist Corona stark zu spüren, wir haben das Wahrzeichen de facto für uns und trinken dann noch einen Aperol mit direkter, ungestörter Aussicht auf den gesamten Platz. Wir übernachten im Hotel Francesco, eine einfache Unterkunft gleich in der Nähe.
Am nächsten Morgen geht es per Zug wieder zurück zum Flugplatz in Lucca. Wir machen die FoxFox startklar und fliegen bei strahlendem Sonnenschein an der italienischen Küste mit tiefblauem Meer entlang. Unser heutiges Ziel, Marina di Campo liegt im Süden der Insel Elba, in einer wunderschönen Bucht. Den Anflug auf die Piste haben wir zuvor anhand der gut erklärten Videos auf der Homepage der Insel recherchiert.
Wir steigen aus und werden gleich nach der Landung im Terminal von Personal in Schutzausrüstung begrüßt. Mit einem Gerät, das in Richtung der Stirn gehalten wird und sehr an einen Bolzenschussapparat erinnert, wird uns kontaktlos Fieber gemessen – ein Wunder, dass wir bei den sommerlichen Temperaturen den Check offenbar bestehen. Ansonsten wollen sie eigentlich nichts von unseren natürlich brav vorab ausgefüllten Formularen und Gesundheitszertifikaten sehen. Wir werden im Laufe der Reise noch feststellen, dass wir sehr viele Zettel letztendlich scheinbar umsonst ausgefüllt haben.
Wir haben in der Früh vorab ein Hotel über Booking gebucht, das uns allerdings spontan storniert wird – viel wird uns leider nicht an sonstigen Optionen angezeigt. Wir versuchen am Flugplatz noch ein Mietauto zu bekommen –mit Händen und Füßen und radebrechend auf Italienisch, es kann niemand Englisch. Es heißt, es kommt in der nächsten Stunde wieder jemand zum Schalter, der allerdings auch nach 90 Minuten nicht auftaucht.
Aber gut, wir sind ja flexibel und schwenken dann kurzerhand auf Mietfahrräder um. Der Mitarbeiter vom Verleih hat dann offenbar auch noch Mitleid mit uns und gibt uns spontan einen Tipp für eine mögliche Unterkunft und auch gleich ein passendes Fischlokal.
Letztendlich bekommen wir dort wirklich noch eines der letzten Zimmer, checken kurz ein und begeben uns dann gleich ans herrlich blaue Meer der Bucht, in der man ganz wunderbar schwimmen kann. Abends lassen wir uns dann im empfohlenen Lokal eine ausgezeichnete Fischplatte schmecken.
Am nächsten Tag – wir haben Geschmack an Inseln gefunden – geht es weiter über das offene Meer nach Korsika, das nur 30nm von Elba entfernt ist.
Der erste Blick auf die französische Insel offenbart eindrucksvolle hohe Gipfel – uns war beiden nicht bewusst, welch hohe Berge die Insel hat. Beim Landeanflug haben wir kurz Mühe die französischen Fluglotsen zu verstehen – die Aussprache im Englischen ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Der Flughafen Calvi ist äußerst ruhig, es landen zu diesem Zeitpunkt – natürlich auch Corona-bedingt – keine Linienflieger. Schnell ist sogar kurzfristig ein Mietauto organisiert, wir wollen die Insel ja auch etwas erkunden. Die Hotelsuche ist diesmal auch völlig problemlos, es gibt ausreichend Optionen, wir entscheiden uns für „Le Saint Erasme“. Sowohl Terrasse als auch Pool haben Meerblick, die Innenstadt von Calvi ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Die Altstadt besticht mit einer eindrucksvollen Stadtmauer und netten Gassen, bunte Bougainvillea blühen überall. Cafés, Restaurants und Bars gibt es zahlreich, es ist fast schwierig, hier ein Lokal fürs Abendessen auszuwählen. Das lokale Wildschwein schmeckt jedenfalls hervorragend.
Wir unternehmen einen gemeinsamen Tauchgang, das Meer ist eine angenehme Abkühlung in der Sommerhitze, auch wenn es nicht allzu viel unter Wasser zu sehen gibt.
Den nächsten Morgen teilen wir uns auf, einer von uns schläft aus, schwimmt im Pool und genießt einen „Café au Lait“ und ein Croissant mit Aussicht auf der Terrasse, der andere Teil geht nochmals etwas tiefer tauchen und sieht sich einen abgestürzten Weltkriegsbomber mit dem klingenden Namen „Her Did“ unter Wasser an. Die B17 ruht am Fuße der Citadelle de Calvi in 28 Meter Tiefe nahezu unbeschädigt. Am 14. Februar 1944 entschied sich der Pilot des Bombers nach schwerem Beschuss – zumindest zwei Triebwerke waren in Brand – für eine Notwasserung. Kaum zu glauben, dass hier alle überlebt haben.
Ab Mittag unternehmen wir dann einen Roadtrip und erkunden einen Teil der Insel. Zunächst an der Küste entlang und an Strände, wo wir im Meer baden, es ist allerdings sehr windig, der Sand ist überall. Danach geht es in die Berge, einem Fluss entlang. Die enge Straße schlängelt sich durch Schluchten bis hin zu kleinen Bergdörfern, in denen es auch gleich aufgrund der Höhe deutlich kühler ist.
Am Rückweg erblicken wir im Meer auch noch das teuerste Segelboot der Welt, von Philipp Starck designt – mittlerweile wurde das Boot, das einem russischen Oligarchen gehört, von Italien aufgrund der Sanktionen konfisziert.
Wir entscheiden uns heute für ein Lokal am Meer, Fisch und Meeresfrüchte kann man ja gar nicht genug essen!
Am nächsten Morgen heißt es nach zwei Nächten Abschied von Korsika nehmen. Die Insel hat uns extrem gut gefallen, vermutlich auch, weil aufgrund der fehlenden Linienverbindungen kaum Touristen unterwegs waren.
Wir starten über die Piste 36 mit Ausblick auf die Berge, bevor wir uns nochmals Calvi aus der Luft ansehen und auch noch einen Teil der Insel überfliegen. Danach machen wir uns – unserem Inselmotto treu bleibend – in Richtung Sardinien auf, wo wir nach rund einer Stunde in Olbia landen.
Im Terminal für die Privatflieger beäugt man uns zunächst etwas skeptisch. Wir sind wohl optisch nicht die übliche sehr betuchte Klientel, und unsere geliebte FoxFox ist vermutlich mit Abstand der älteste und auch am wenigsten exklusive Flieger auf dem Rollfeld.
Wir nehmen es mit Humor, lassen uns zum anderen Terminal bringen, ein Mietauto ist wiederum rasch organisiert. Unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte, die Villa Luce B&B ist auch bereits gebucht. Sie liegt etwas außerhalb, mit großen Zimmern, einer schönen Terrasse und einem herrlichen Garten. Wir halten uns allerdings nicht lange auf und starten sofort zu Küste, Meer und Strand weiter. Die nächsten beiden Tage erkunden wir die Insel, schwimmen und schnorcheln im glasklaren Meer – die Smaragdküste macht ihrem Namen alle Ehre. Auch das Essen ist natürlich herrlich – Pasta, Meeresfrüchte, Fisch – in Italien lässt es sich schon echt leben!
Am Donnerstag geht es dann weiter, direkt neben der OE-CFF parken mittlerweile die markanten gelben Löschflugzeuge. Einige Jahre später werden wir diese auch in Österreich live erleben dürfen, wie sie dann beim Löschen im Raxgebiet unterstützen und dafür Wasser aus dem Entlastungsgerinne der Donau aufnehmen.
Wir werfen noch einen letzten Blick auf das Meer, bevor wir uns wieder zum italienischen Festland begeben. Nach rund 2h Flugzeit landen wir an unserem Tagesziel, dem Flugplatz in Siena. Auch hier werden wir sehr freundlich begrüßt, es spricht allerdings niemand Englisch, nur zu unserem PIC sagen sie konstant „Captain“.
Wir organisieren uns ein Taxi in die Stadt und checken als einzige Gäste im Hotel B&B Il Corso ein. Das Hotel hat wunderschöne alte Holzdecken, und der Besitzer Alberto gibt uns netterweise gleich mal ein kostenloses Upgrade auf ein größeres Zimmer. Er fragt uns, ob wir gerne Tipps zum Abendessen hätten – natürlich! Er zeichnet einen Kreis um die Innenstadt am Plan und meint „everything in here is good“ – danach deutet er auf den großen Platz, Piazza del Campo, und meint „here is good for drink and the view, just a bit more expensive“.
Was sollen wir sagen? Er hat Recht – wir schlendern durch die de facto leere Innenstadt und suchen uns dann einfach eine Bar für Getränke und später ein Restaurant aus – es ist ausgezeichnet! Siena ist wunderschön, wir spazieren weiter und stoßen auf der Stadtmauer auf eine Art kleines Festival mit Musik und Getränken – ein ungewohnter Anblick im Jahr 2020!
Am nächsten Morgen geht es wieder früh weiter, wir müssen heute ja eigentlich leider wieder nach Hause. Die Wolken werden allerdings immer dichter und es zieht ein Gewitter auf. Bevor es uns in der Luft erwischt, landen wir kurzerhand ungeplant auf einem kleinen Flugplatz mit Graspiste „Aviosuperficie Collina“. Kurz nach der Landung ist das Gewitter da, der Himmel öffnet die Schleusen und es schüttet. Wir stellen uns unter einem Dach unter. Währenddessen ruft auch schon Erik an. Er hat offenbar gesehen, dass wir gelandet sind und verlängert uns gleich mal sicherheitshalber die Reservierung des Fliegers um eine weitere Nacht, damit wir keinen Druck haben, heute noch zurück nach LOAV zu kommen.
Nach einigen Minuten kommt jemand aus dem an die Graspiste angrenzenden Haus und fragt uns, ob wir denn nicht reinkommen möchten? Wir nehmen das gerne an, bekommen zunächst ganz nett einen Kaffee angeboten. Der jüngere der beiden anwesenden Männer spricht sogar Deutsch, der ältere nur Italienisch. Letztendlich werden wir sogar zum Mittagessen eingeladen – während der deutschsprachige Kollege kurz einkaufen fährt, unterhalten wir uns mit Händen und Füßen und einem Versuch von Italienisch mit dem älteren über Flugzeugen und das Fliegen.
Wir sind zwischenzeitlich auch schon sehr hungrig und greifen bei der Pasta, die wenig später vor uns steht, ordentlich zu – wie sich herausstellt, ein Fehler, es gibt nämlich – natürlich – noch 2 weitere ausgezeichnete Gänge. Ein echter Anfängerfehler!
Gut 3,5 Stunden später, das Wetter hat nun doch wieder aufgeklart und zeigt sich von der sehr sonnigen Seite, steigen wir extrem gut gesättigt wieder in den Flieger. Kurz nach dem Start überfliegen wir den „Mugello Circuit“ – Formel 1 Fans wird diese Rennstrecke im September 2020 noch bekannt werden, da hier sehr kurzfristig wegen zahlreicher GP Absagen weltweit das erste und einzige Formel 1 Rennen auf dieser Rennstrecke (ohne Zuschauer) ausgetragen wird.
Zu diesem Zeitpunkt ist allerdings schon recht absehbar, dass wir es nicht mehr zurück nach LOAV schaffen werden, daher peilen wir kurzerhand Portoroz an. Mit etwas Kreativität organisieren wir auch dort kurzfristig eine Unterkunft und lassen uns das ungeplante Abendessen am Meer gefolgt von einem Frühstück direkt an der Promenade schmecken.
Danach machen wir uns nun aber wirklich auf den Rückweg, mit einem Zwischenstopp und Mittagessen in Punitz landen wir abends wieder in LOAV. Die sehr lieb gewonnene OE-CFF hat sich auch für eine längere Reise mehr als bewährt, wir hatten einfach mehr Zeit, den Ausblick zu genießen.
Eine wunderschöne und außergewöhnliche Reise geht somit zu Ende, wir werden die Orte vermutlich nie wieder so untouristisch und leer erleben wie im Sommer 2020.






















