VFR von Bad Vöslau nach Kairo und weiter dem Nil entlang bis nach Abu Simbel und Hurghada

Text und Fotos: Ch. Prosser und M. Rigaud

 

Ägypten, was für ein Land, welch faszinierende Kulturgeschichte! Kairo, Pyramiden, Luxor, Tal der Könige Assuan, Abu Simbel, alles Orte von denen man schon einmal gehört hat. Aber wie steht es mit den Möglichkeiten das Land mit dem eigenen Flugzeug zu erkunden?

Eine General Aviation existiert in Ägypten nicht. VFR ist unbekannt, aber auch nicht verboten. Der Luftraum vom Boden bis in 8000 ft. ist dem Militär vorbehalten. D.h. Durchführung aller GA-Flüge über 8000 ft., sei die Strecke auch noch so kurz und Streckenführung entlang der veröffentlichten Luftstraßen. Selbstverständlich gilt Flugplanpflicht für alle Flüge. Und hier kommt The Flying Pharaoh ins Spiel. Eine kleine Gruppe um den international renommierten Herzchirurgen Yasser Menaissy, dem Unternehmer Amr Abouzeid und dem Organisationsgenie Mona veranstalten ein bis zwei Mal pro Jahr die Rallye Fly In Egypt.

The Flying Pharaoh ermöglichte uns einen Rundflug über die Pyramiden von Gizeh in 1000 ft., die nicht weit von unserem Ankunftsflughafen Cairo-Sphinx Intl. entfernt liegen. Alle weiteren Streckenabschnitte durften wir in einer Höhe von 2000 ft. fliegen. Sowohl den Rundflug wie auch alle weiteren Flüge absolvierten wir in einer zuvor festgelegten Formation. Wir, das waren 10 Flugzeuge mit Crews aus Deutschland, Griechenland, Italien, Österreich, Saudi Arabien und den Emiraten. Vom Cirrus Vision Jet, DA42/62, TB20, Vans RV10, Tecnam P2010, Beech Bonanza bis zu einer Pipistrel Virus und einem Pipistrel Motorsegler reichte das Spektrum der teilnehmenden Flugzeuge.

Die Organisation der gesamten Reise war beeindruckend und perfekt! Der fliegerische Teil wurde von Yasser vorbereitet, das gesamte Spritmanagement von Amr und den gewaltigen Rest (Transfers, Übernachtungen, Ausflüge und Essen) hatte Mona zu stemmen.

Ankunft Cairo HESX

Einige der teilnehmenden Flugzeuge in HESX

Für die Anreise nach Cairo-Sphinx benötigten wir von Bad Vöslau LOAV drei Tage. Am ersten Tag ging es über Brac LDSB in Kroatien nach Corte LINB in Apulien. Am zweiten Tag flogen wir direkt nach Heraklion LGIR auf Kreta.  Gut zwei Wochen vor unserer Abreise erhielten wir von Yasser und Mona genaue Informationen welche Einflugstrecke wir im Flugplan von Heraklion eintragen müssen und wie der weitere Streckenverlauf geplant ist. Aufgrund des vorgegebenen Ankunftstages am 10. Oktober und der Ankunftszeit um etwa 12:00 Uhr in HESX (Flugzeit drei Stunden) mussten wir in Heraklion übernachten, empfanden das aber nicht als Strafe.

  Nach dem herzlichen Empfang am Flughafen in der VIP-Lounge besuchte uns auch noch der Minister für Sport und Jugend mit seiner Entourage und besichtigte unsere Flugzeuge. Ein sehr schöner Erfolg für die Organisatoren von The Flying Pharaoh und eine Bestätigung ihres Bemühens in Ägypten wieder eine lebendige General Aviation zu etablieren und bei den Behörden populärer zu machen.

Der nächste Tag begann mit der Besichtigung der Pyramiden von Gizeh vom Boden aus und sollte dann am Nachmittag seinen Höhepunkt mit dem Rundflug in 1000 ft. über den Pyramiden finden. Was für ein Erlebnis!

Pyramiden von Gizeh – ein Touristenhotspot
In der Mitte die Cheops-Pyramide, die Höchste und Älteste

Auch die Sphinx darf hier nicht fehlen

Cheops – 146,59m hoch und um 2600 v.Chr. erbaut

Im rundum sorglos Paketpreis von $ 2.300,00 im DZ sind sämtliche Übernachtungen in 5 Sterne Hotels, Transfers, Eintritt für Sehenswürdigkeiten, und nicht ganz unwichtig, Frühstück und Abendessen inkludiert. Pro Flugzeug zahlt man eine Pauschale von $ 1.000,00 für Anflug-, Lande-, Park- und Handling-Gebühren.

Die Versorgung mit Jet A1 ist auf jedem Flughafen gesichert und kostet (Stand Oktober 2025) $ 3,70 pro Gallone(!). Das AVGAS 100LL wird hingegen in 200 Liter Fässern und in einem Container per Lkw bedarfsbezogen angeliefert. Während unserer Reise wurden Tankmöglichkeiten in Luxor, Assuan, Hurghada und natürlich in Cairo-Sphinx angeboten. Die Kosten dafür $ 4,40 pro Liter(!). Wohl dem der über einen Dieselantrieb verfügt.

Somit benötigten wir während der Reise kaum Bargeld. Trinkgeld für kleine Gefälligkeiten wird erwartet, das geht aber auch gut mit Dollar. Zur Einordnung: Eine warme Mahlzeit kostet Einheimischen etwa einen Dollar.

Am Tag drei flogen wir in gut zwei Stunden die erste längere Strecke entlang des Nil von Cairo nach Luxor HELX.  Hier standen am Ankunfts- und am Folgetag der Besuch der Tempel von Karnak und Medinet Habu, die Pharaonengräber im Tal der Könige und des Hatshepsut-Tempels auf dem Programm.

Auf dem Flug nach Luxor – linkes Fenster

 

Luxor – im vordergrund der Karnak Tempel mit „Pool“

 

Restaurantterrasse Luxor – Abendstimmung

 

…rechtes Fenster

 

Tal der Könige, Eingang zu den Gräbern

 

Hotelterrasse Luxor – Morgenstimmung

 

Nach flugfreien Besichtigungstag ging es von Luxor sehr früh nach Assuan HESN weiter, Flugzeit eine knappe Stunde. Hier galt es die ausgedehnte Sperrzone um den Assuan-Staudamm zu beachten. Bei einer Luftraumverletzung wird zuerst geschossen und erst danach gefragt, eine klare, unmissverständliche Warnung. Bedenkt man welche Katastrophe eine absichtliche Beschädigung der Staumauern und die dadurch verursachte Flutwelle auslösen würde, versteht man diese Einstellung schon etwas besser.

Yasser gelang es den Abflug von Luxor so zu legen, dass wir den Hatshepsut Tempel auch noch einmal von oben bewundern konnten. Unsere Reiseflughöhe in 2000 ft. bot grandiose Ausblicke auf das grüne Band des Nil und beeindruckende Wüstenformationen. Entlang des Staudamms fuhren wir ins Hotel auf einer Insel im Nil. Später dann mit dem Bus zum Nasser-See und mit dem Boot auf die Insel Philae mit ihren großartigen Tempeln. Am Abend dann eine lange Fahrt auf dem Nil stromaufwärts zu einem Nubischen Restaurant.

Der Nasser Stausee

 

Assuan – Aussicht vom Hotel auf den Nil

 

Assuan Staudamm

 

Tempelanlage auf der Insel Philae im Nasser-Stausee

 

Von Assuan flogen wir 50 Minuten nach Abu Simbel HEBL, schon ganz knapp an der Grenze zum Sudan. Dort beeindrucken die beiden Tempel von einem der größten Pharaonen Ägyptens, Ramses II mit seiner Wucht und Größe. Die beiden in den Fels gehauenen Tempel wurden zersägt und an der heutigen Stelle wieder aufgebaut.

Am Final im Abu Simbel
Die Felsentempel von Ramses II. von Abu Simbel
Der große Tempel Ramses II.
Im Hintergrund die Kammer mit Heiligtum
Kammer für die Opfergaben

Am frühen Nachmittag flogen wir wieder zurück nach Assuan und konnten nach unserer Rückkehr ins Hotel auch noch den Bazar besuchen.  Am nächsten Tag ging es dann auch schon zur letzten Station unserer Reise.

Von Assuan flogen wir rund 1,5 Stunden nach Hurghada HEGN, im letzten Drittel führte die Route sogar über Wüstengebirge. Hurghada wurde von den Flying Pharaohs zum ersten Mal angeflogen. Die Abfertigung in Hurghada war entsprechend kompliziert und langwierig, das gewählte Hotel entsprach nicht ganz dem bisherigen Standard der Reise. Zukünftig wird sicher wieder der Flugplatz El-Gouna angesteuert.

Der erste Streckenabschnitt wieder entlang des NIL

 

Anflug auf Hurghada HEGN
..und wieder Berge

 

Hurgada am Roten Meer

Der letzte Tag unserer Reise wurde dann erheblich anstrengender als geplant. Bereits sehr früh fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen und starteten bereits kurz nach Sonnenaufgang von Hurghada Richtung Cairo-Sphinx Intl. Ein wunderschöner Flug von knapp zwei Stunden weil ATC darauf bestand die Route über das Rote Meer und die Sinai-Halbinsel zu planen. Dadurch konnten wir nicht nur die Farbenpracht im Meer unter uns bewundern, wir bekamen auch einen Eindruck wie gewaltig sich das Sinai-Gebirge im Osten, Richtung Golf von Aqaba und dahinter Saudi Arabien erhebt.

Amr gibt Michael noch Tips für den Flug
Das gewaltige Sinai Gebirge wo auch das Katharinen-Kloster liegt

Wir kamen bereits um 09:00 Uhr in Cairo an, mit Betankung und Verabschiedung inkl. Bekanntgabe der Rallye-Wertung konnten wir dann doch erst um 11:30 Uhr nach Heraklion starten. Die letzte Landung in Cairo sollte eine Ziellandung werden und somit ein Kriterium für die Ermittlung des Siegers.

Endanflug Heraklion/Kreta LGIR
15 Minuten von Fondone – Lecce in Apulien – immer einen Besuch wert!

Schon am Vortag sahen wir einen sich entwickelnden Tiefdruckwirbel zwischen Italien und Griechenland der uns den Weg Richtung Norden in den kommenden ein bis zwei Tagen versperren würde. Mit unseren italienischen Freunden in ihrer Vans RV10 beschlossen wir daher gleich nach dem Auftanken in Heraklion weiter nach Fondone LINK, Apulien nicht weit von Corte, zu fliegen. Zu den knapp zwei Stunden von Hurghada nach Cairo kamen dann nochmal gut drei Stunden nach Heraklion und weitere drei Stunden nach Fondone. Beim letzten Tageslicht landeten wir um 19:13 Uhr und wurden von einem freundlichen und hilfsbereiten Flugplatzteam sogar mit einem Hangarplatz und AVGAS (nur nach Vorbestellung) versorgt.

Das war das Fly-In Aegypt 2025 – we will see you again – sanurakum mjddaan !

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