Eine Reise über Slowenien zum Lido di Venezia, Thiene, Dolomiten-Rundflug nach Asiago, Gardasee, Mailand-Bresso, Modena, durchs Etschtal nach Trento, über Hintertux nach Zell am See

Text Michael Heinrich, mit Inputs von Markus Trettnak, Oliver Kondor, Alexander Kampichler und Christian Prosser
Fotos: Alexander Kampichler, Michael Heinrich und Christian Prosser

Eckdaten: 1.5.–3.5.2026, 10 Teilnehmer plus 1 Passagier, 5 Flugzeuge
Route:  rund 850 NM, 8 h Flugzeit, drei Tage.

Die Botschaft vorweg:
Fliegen in Italien ist im Grunde wie bei uns zu Hause — Gott sei Dank. Dieselben Verfahren, dieselbe Physik, dieselbe Logik. Wer in Österreich sicher fliegt, fliegt auch in Italien sicher. Es gibt eine Handvoll lokaler Eigenheiten, die man kennen sollte — mehr nicht. Dieser Bericht soll Mut machen, die nächste Tour weiter weg zu planen.

Die Tour in Kürze:
Drei Tage, fünf Flugzeuge, eine bunt gemischte Crew vom IFR-Routinier bis zur Schülerin in der Vorbereitungsphase. Bewusst keine Sightseeing-Tour, sondern eine dichte Route mit Tank- und Lehrstopp auf verschiedenen ausländischen Flugplätzen. Highlights waren Venedig aus der Luft, die Dolomitenrunde und das gemeinsame Bier in Asiago.

„Solche Highlights sind bei der Planung eines Ausflugs wesentlich — und Auslandserfahrung von zumindest einem Crewmitglied im Flugzeug.“ — Christian (Organisator)

Markusplatz, Canal Grande und die Lagune in einem Bild
Venedig – Anflug auf  Lido LIPV

Nach einem herrlichen ferrlichen Anflug auf Venedig Lido und einer kurzen Pause, starten wir einen Rundflug in die Dolomiten, um dann einen Tankstop in Thiene einzulegen.

Vorfeld Thiene — D-EEKE und OE-ARW, im Vordergrund ein einsitziger Lockheed-Starfighter
Thiene vor dem Dolomiten Rundflug.
Die Pala Gruppe, höchster Gipfel 10472 ft.
Sella-Massiv aus 10.000 ft — Fotomotive bei mittleren Turbulenzen.
Abschluss Tag 1 — Bier am Flughafen-Restaurant Asiago.

Nach dem Bier am Flughafen war ein kleiner Stadtrundgang in Asiago angesagt. Zu erwähnen ist, dass die Stadt im ersten Weltkrieg zerstört und komplett neu aufgebaut wurde, daher die einheitliche Architektur

Asiago – Hauptstraße: Corso 4 Novembre — der Bummel nach der Landung gehört zum Programm
Asiago – Hauptplatz: Piazza Carli mit dem charakteristischen Uhrturm

Die wenigen wirklich wichtigen Regeln:
1. Luftraumverletzungen vermeiden — die einzige rote Linie
In Norditalien ist Padova Information an sonnigen Wochenenden defacto überlastet. Anmeldeversuche scheitern reihenweise, in den Bergen kommt Funkschatten dazu. Das ist nervig, aber kein Freibrief, in freigabepflichtige Lufträume hineinzufliegen. Die Begründung „ich hab ja einen Flugplan“ trägt nicht.

Was funktioniert: Squawk plus Hörbereitschaft, Padova und Milano parallel monitoren. Wenn Padova nicht antwortet, bleibt man im G-Airspace oder steigt hoch genug für Milano Radar. Höhe schafft Optionen — eine CTR-Crossing-Anfrage aus 6.000 ft wird eher gewährt als aus 2.000 ft mit Steigwunsch.

2. AVGAS-Strategie vor Routenplanung:
LIDA Asiago und LIPM Modena haben kein AVGAS. Die Reihenfolge LIDH → LIDA → LIMB → LIPM → LIDT ist deshalb nicht zufällig, sondern erzwungen. An den Selfservice-Säulen in LIDH und LIDT liegt das Kreditkarten-Limit bei etwa 100 € pro Buchung — für eine Bonanza heißt das sechsmal Karte stecken. Zeitpuffer einplanen!

 

Abflug von LIDA Asiago (3.409 ft) — Piste 26
Mit dieser Höhe des Platzes ist die Berechnung
der Dichtehöhe besonders wichtig, da sie
Auswirkungen auf die take-off Performance des Flugzeuges hat
Das Schild spricht für sich…

3. Bresso braucht das 40-Seiten-Briefing
Mailand-Bresso (LIMB) ist der einzige Platz, der wirklich Vorbereitung verlangt: das Aeroclub-Milano-Briefing ist Pflichtlektüre, weil der Anflug über die Milano-VFR-Area sonst nicht funktioniert. Ohne Vorbereitung wird man dort überfordert. Mit Vorbereitung ist es ein normaler Anflug.

4. CAT H only — die Trento-Falle:
In LIDT Trento sind alle veröffentlichten IFR-Approaches „CAT H only“ — also nur für Helikopter freigegeben. Wer IFR plant, ohne das zu prüfen, plant einen Flug, der bei der Approach-Auswahl scheitert. Workaround: VOR-Anflug am TNT-VOR, dann Sichtflugpunkt DTS1, Landung RWY 36. Faustregel: was nicht im GTN als Approach erscheint, gibt es in der Praxis auch nicht.

5. Density Altitude in den Bergen:
Bei mehr als 20 °C werden Asiago (3.409 ft) und Zell am See (2.471 ft mit nur 780 m LDA) eng. In LOWZ lag die berechnete Startstrecke der Bonanza bei 610 m. Performance-Berechnung Pflicht, nicht „aus Erinnerung“ fliegen.

 

Via Castel Maraldo unter dem Schirmehimmel — im Hintergrund die Ghirlandina, der schiefe Glockenturm des Doms
Duomo di Modena — romanisches UNESCO-Welterbe, 1099 begonnen, gleich neben der Ghirlandina

Was die Reise leichter macht:
PF/PM-Arbeitsteilung im Cockpit. Pilot Flying steuert, Pilot Monitoring funkt, navigiert und beobachtet den Luftraum. Das klingt nach formaler CRM, ist aber im italienischen Funk-Dauerfeuer einfach pragmatisch. Single-Pilot war für die Tour bewusst nicht erste Wahl.

„Stand by“ ist immer eine Option. Wer am Funk Zeit braucht, kauft sie sich — Markus‘ Tour-Erkenntnis
.
Tools: SkyDemon für VFR (Lufträume und Frequenzen gut abgedeckt, Anflugkarten fehlen — dafür Jeppesen oder italienische AIP). ForeFlight für IFR und Performance-Rechnung. Landegebühren laufen über ENAC servizi im Selfservice — beim ersten Mal 40 Minuten, danach Routine.

Equipment-Kurzliste: Verzurr-Zeug (Rope Chocks), Akku-Kompressor, Sonnenschutz für die Instrumente, ANR-Headsets plus Ersatzbatterien, bei Wasserstrecken Schwimmwesten. Nichts Exotisches — nur die Dinge, die man auswärts nicht eben nachkaufen kann.

 

Bordbuch der OE-KAS — Flug Nr. 10.000 wurde am 2.5.2026 verbucht (LIMB → LIPM). Ein Jubiläum mitten in der Tour.

Plan B vor der Tour
Eine Woche vor dem Start sah es für die Alpenquerung im GRAMET unfreundlich aus. Eine Ausweichroute über Slowenien lag fertig geplant in der Schublade, eine Polen-Variante als zweite Option — gebraucht haben wir keine davon. Aber: Plan B muss vor dem Tag X als konkrete Route stehen, nicht als Idee. Das ist die wichtigste Planungs-Disziplin für Auslandstouren.

Villa im Teich bei Modena – entdeckt im Tiefflug
Anflug auf LIDT Trento Mattarello — Etschtal in Tallage, RWY 36.

 

Ferrari-Museum Maranello — Lauda, Scheckter, Schumacher.
Die Geburtsstätte von Ferrari

Die Quintessenz:
„Aviate, navigate, communicate — auch wenn die Italiener das manchmal genau umgekehrt zu machen scheinen.“ (Markus)

Italien ist nicht schwieriger als Österreich, nur anders überlastet auf der FIS-Frequenz und mit ein paar lokalen Eigenheiten. Wer Plan B in der Tasche hat, die AVGAS-Reihenfolge kennt und bei Bresso die Hausaufgaben macht, kommt entspannt durch. Der Rest ist Fliegerei wie zu Hause — und das ist die eigentliche gute Nachricht dieser Tour.

„Für mich persönlich waren Clubausflüge in den Anfangsjahren eine entscheidende Hilfe, meinen Radius um den Heimatplatz immer weiter auszubauen.“ — Christian.

Christian Prosser — ein Dank dem Organisator. Nach acht Plätzen, drei Tagen und zehn Crew-Mitgliedern: zufrieden mit Zigarre in Zell am See.

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