Ein Reisebericht aus der Sicht von VFR-Piloten

Text und Fotos: F. Oelschlägel, M. Paar

 

Unsere Flugreise nach England und Schottland im Jahr 2026 war zweifellos eines der schönsten Abenteuer, die wir bisher mit dem Flugzeug erlebt haben. Beeindruckende Landschaften, freundliche Menschen, spannende Flugplätze und viele neue Erfahrungen machten die Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass das Fliegen auf den Britischen Inseln einige Besonderheiten mit sich bringt, auf die man vorbereitet sein sollte.

Von Bad Vöslau nach Le Touquet/Dünkirchen

Am Freitag starteten wir in Vöslau und flogen zunächst Richtung Freiburg um aufzutanken. Von dort ging es weiter bis nach Le Touquet südlich von Dünkirchen an die französische Kanalküste. Le Touquet hat den Vorteil, dass dort immer ein Zöllner sitzt und man die Ausreise/Einreise ohne unnötige Scherereien erledigen kann. 

Flugplatz Freiburg / Tankstopp
Le Touquet an der Südseite der Trichtermündung des Küstenflusses Canche in den Ärmelkanal

Der Flugplatz ist ziemlich verkehrsintensiv – wir mussten wegen IFR-Verkehrs einen „360“ fliegen – aber sehr schön gelegen. Beim Anflug auf die Piste 31 hat man einen tollen Blick auf den Ärmelkanal. Die Landegebühren sind durchaus verkraftbar, der Preis für Jet A1 liegt mit über 3€/l jedoch im obersten Bereich unserer Refueling-Kosten.

Es waren nach einem Tankstopp in Freiburg zwei lange Legs am ersten Tag, die uns aber bis an den Ärmelkanal brachten und bereits einen guten Vorgeschmack auf die bevorstehenden Tage lieferten. Neben dem mittelalterlichen Städtchen Boulogne-sur-Mer ist in Dünkirchen das Museum über den Einschluss der britischen Armee im 2. Weltkrieg und die spektakuläre Evakuierungsaktion der Alliierten („Operation Dynamo“) sehr sehenswert.

Strand von Le Touquet
Museum „Operation Dynamo“ in Dünkirchen

Bis zur französischen Küste verlief alles völlig unkompliziert. Die Herausforderungen begannen erst mit dem Überflug nach Großbritannien. Seit dem Brexit sind die Einreiseformalitäten deutlich aufwendiger geworden. Als Privat- und Sichtflugpiloten muss man einen sogenannten GAR (General Aviation Report) mindestens zwei Stunden vor dem Abflug an die zuständigen Behörden übermitteln.

.

Westlich von Calais in Richtung Dover
Nördlich der Themse-Mündung östlich von Southend on Sea

Das Problem dabei: Ändern sich die Flugpläne kurzfristig – was bei wetterabhängigen VFR-Flügen durchaus vorkommt – dann beginnt diese Frist nach einer Änderung oft erneut zu laufen. Wer sich streng an die Vorgaben halten möchte, hat dadurch manchmal das Gefühl, niemals wirklich loszukommen. Diese Formalitäten sind wohl der nervenaufreibendste Teil des Fliegens in Großbritannien.

Nähe Southend
Entlang der englischen Kanalküste bei Brighton

Funkverkehr auf britische Art

Eine weitere Besonderheit ist der Funkverkehr. Die Briten sprechen am Funk deutlich mehr, als wir es aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gewohnt sind. Hinzu kommt, dass viele Controller und Piloten ihre regionalen Dialekte nicht vollständig ablegen.

Gerade am Anfang war es nicht immer einfach, alles zu verstehen. Mit der Zeit wird man jedoch entspannter und merkt, dass man nicht jedes einzelne Wort erfassen muss. Irgendwann beschränkt man sich darauf, das Wesentliche zurückzumelden, und lässt den Rest einfach weg. Das funktionierte erstaunlich gut und störte offensichtlich niemanden.

Wichtig ist es beim Erstanruf entweder „Basic Service“ oder „Traffic Service“ zu beantragen. Der Basic Service besteht nur darin, dass grundsätzlich einmal gegenseitiger Funkkontakt besteht, man also einen Ansprechpartner hat und ein QNH bekommt. Man hat allerdings in der Regel keine Verkehrsinformationen und wird auch nicht unbedingt gewarnt, falls man versehentlich in kontrollierten oder gesperrten Luftraum einfliegt.

Flugplatz Bembridge auf der Isle of Wight
Stärkung bei englischem „Sonntags-Roast“ auf der Isle of Wight

Der Traffic Service geht über den Basic Service hinaus, indem außerdem Verkehrsinformationen über relevanten Verkehr erteilt werden. Fliegt man tiefer, erhält man – wohl aus Haftungsgründen – nur einen „Reduced Traffic Service“.

Am häufigsten hört man aufgrund der hohen Flugplatzdichte vor allem im Südwesten Englands am Funk die Anweisung „remain outside controlled airspace“. Das sollte man am besten schon im Vorhinein bei der Flugplanung berücksichtigen! Eine Transitgenehmigung durch einen kontrollierten Luftraum scheint hier die Ausnahme zu sein.

Überhaupt ist Gelassenheit und Flexibilität in Großbritannien ein guter Ratgeber. Wer sich zu viele Gedanken macht, produziert eher Stress als Lösungen.

PPR – Voranmelden überall

Ein weiteres Thema in England ist PPR („Prior Permission Required“). Auf vielen Flugplätzen wird erwartet, dass man sich vor dem Anflug anmeldet.

Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Oft gibt es umfangreiche Formulare, die ausgefüllt und verschickt werden müssen. Nicht selten landet man dann auf einem Flugplatz, auf dem außer dem eigenen An- oder Abflug kaum Betrieb herrscht. Möglicherweise vertreiben sich die Tower-Besatzungen die Zeit mit solchen Voranmeldungen.

Flugplatz Lee on Solent an der englischen Kanalküste nahe Portsmouth
Lee on Solent

Der deutlich einfachere Weg ist das Telefon. Wenn man jemanden erreicht, wird plötzlich alles unkompliziert. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Erreicht man niemanden, bleiben meistens zwei Möglichkeiten:

  • Man fliegt trotzdem hin und hofft auf gesunden Pragmatismus
  • oder man sucht sich eine alternative Landemöglichkeit.

In der Praxis wurden wir nie abgewiesen. Auf den meisten kleineren Flugplätzen herrscht ohnehin überschaubarer Verkehr. Selbst in Dundee in Schottland war kaum etwas los.

Am Anfang gaben wir innerbritisch noch Flugpläne auf, was wohl eine Fleißaufgabe war. Bei jeder Frequenz muss man sich ohnedies neu anmelden und mehrmals den Squak wechseln. Flugpläne wurden weder geöffnet, und schon gar nicht geschlossen (angeblich sei man dazu auf den Flugüberwachungs- und Kotrollfrequenzen dazu nicht autorisiert). PPR in Großbritannien scheint den Flugplan bei VFR-Flügen ersetzt zu haben. Bei grenzüberschreitenden Flügen sollte man aber jedenfalls einen Flugplan aufgeben. Man sollte auch bei größeren Flugplätzen überprüfen, ob der Flugplan geöffnet bzw. geschlossen wurde.

Duxford – die einzige echte Ausnahme

Nur ein einziges Mal war die Voranmeldung tatsächlich entscheidend: in Duxford.

Dort fand an diesem Wochenende eine Flugshow statt. Verständlicherweise konnten sie uns nicht einfach zwischen die zahlreichen Veranstaltungsbewegungen einschieben. Deshalb mussten wir unseren Besuch verschieben und erst am Montag einfliegen. Das Luftfahrtmuseum ist es aber jedenfalls wert. Für jeden Piloten ein Must-See in England. Mit der Bezahlung der Landegebühr ist auch der Eintritt gratis.

Imperial War Museum Duxford
Air Museum Duxford mit Concord

Zwei wichtige Punkte für England

Rückblickend gibt es für einen England-Flug vor allem zwei Dinge zu beachten:

  1. Die umfangreichen Formalitäten wie GAR-Meldungen und teilweise PPR-Anforderungen.
  2. Das Wetter, insbesondere im Norden.

Je weiter man Richtung Schottland kommt, desto anspruchsvoller können die Wetterbedingungen werden. Außerdem ändern sie sich oft sehr schnell. Deshalb ist Flexibilität bei der Routenplanung enorm wichtig.

Unser ursprünglicher Plan war es, bis zu den Orkney-Inseln vorzudringen. Aufgrund der Wetterlage kamen wir letztlich jedoch nur bis Dundee. Das zeigt sehr deutlich, wie wichtig eine Alternativplanung und spontane Entscheidungen auf einer solchen Reise sind.

Flughafen Dundee
Dundee Airport
Broughty Castle bei Dundee

Ein besonderes Highlight der Reise war Caernarfon in Wales.

Der Flugplatz eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für einen Besuch der Stadt und ihrer beeindruckenden Burg. Das Caernarfon Castle zählt zu den bekanntesten und schönsten Burgen Großbritanniens und ist aufgrund seiner Lage direkt am Wasser und seiner hervorragend erhaltenen Festungsanlagen äußerst sehenswert.

Caernarfon (Wales) – Anflug auf den Flugplatz
Caernarfon Castle
Caernarfon Castle mit Hafenblick
Caernarfon außerhalb der Satdtmauern
Caernarfon Air Museum

Auch die Umgebung mit der Küstenlandschaft und den nahegelegenen Bergen des Snowdonia-Nationalparks macht den Ort zu einem lohnenden Zwischenstopp. Für uns war Caernarfon einer der kulturellen Höhepunkte der Reise und ein Platz, den wir jedem Piloten, der Wales besucht, uneingeschränkt empfehlen können.

Fliegen in England ist eigentlich einfach

Lässt man die bürokratischen Hürden einmal außen vor, ist das Fliegen in England ausgesprochen unkompliziert.

Besonders hilfreich ist eine britische Prepaid-SIM-Karte. Viele Dinge lassen sich telefonisch innerhalb weniger Minuten klären. Das funktioniert meist deutlich besser als E-Mails oder komplizierte Online-Formulare, auf die man teilweise gar keine Antwort erhält.

Telefonieren war für uns die effektivste Methode, rasch an benötigte Informationen zu kommen. Wir hatten keine Prepaidkarte sondern nur eine E-Sim-Karte für das Internet. Wir haben uns dann meist ein Telefon geliehen 😉.

Freundliche Menschen und beeindruckende Landschaften

Abseits der fliegerischen Aspekte hat uns Großbritannien begeistert. Die Menschen waren überall freundlich und hilfsbereit. Dazu kamen herrliche Landschaften, eindrucksvolle Küsten, interessante Städte und zahlreiche Sehenswürdigkeiten.

Paint of Guinness im Hafen Portsmouth
Pub-Abend in Cambridge 

Auch das Essen verdient eine positive Erwähnung. Natürlich gehört Fish and Chips zum Pflichtprogramm, doch die britische Küche bietet deutlich mehr, als ihr oftmals nachgesagt wird. Wir wurden jedenfalls nie enttäuscht.

Zwischenstopp auf Guernsey

Besonders interessant war unser Aufenthalt auf Guernsey.

Fliegerisch bringt die Insel eine weitere Besonderheit mit sich. Obwohl Guernsey den britischen Kronbesitzungen angehört, gelten bei den Einreiseformalitäten wieder eigene Regelungen. Daher musste erneut ein eigener, nur für Guernsey geltender GAR eingereicht werden – einmal für den Flug vom britischen „Festland“ nach Guernsey und anschließend nochmals für den Weiterflug nach Frankreich. Man hat uns mitgeteilt, dass jede Kanalinsel einen eigenen GAR hat.

Flug über Süd-Wales Richtung Guernsey
St Peter Port auf Guernsey
Hafen St Peter Port

Trotzdem ist Guernsey sehr sowohl fliegerisch als auch landschaftlich sehr empfehlenswert. Der Flugplatz ist hervorragend organisiert, das Personal kümmert sich um alles, und die Gebühren waren erstaunlich moderat. Wenn wir es richtig in Erinnerung haben, kosteten Landung und Übernachtung des Flugzeugs zusammen umgerechnet lediglich etwa 30 Euro.

Abgesehen davon kann man den hübschen Hauptort St. Peter Port mit seinen riesigen Hafenanlagen für eine Unzahl von (wahrscheinlich steuergünstig erworbenen) Booten sowie geschichtsträchtige Orte aus der Zeit der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkriegs („Atlantik-Wall“) besichtigen.

Frankreich – angenehm unkompliziert

Von Guernsey aus flogen wir wegen der Zollanmeldungen zunächst nach Dinard (St. Malo), wo uns auch tatsächlich zwei nette französische Zollbeamte erwarteten und die Pässe kontrollierten. Es war die einzige Kontrolle auf unserem Flug.

Start von Guernsey in Richtung Dinard/St.Malo
Flughafen Dinard Bretagne

Auf dem Weg nach Carcassonne machten wir noch einen Zwischenstopp am Flugfeld in Soulac-sur-Mer (LFDK), einem kleinen, sehr typisch französischen Seebad am Atlantik, wo wir uns mit „Moules frites“ (Miesmuscheln mit Pommes) stärkten.

Blick auf Les Sables-d‘Olonne an der französischen Atlantikküste auf dem Weg nach Soulac-sur-Mer 
Soulac-sur-Mer
Strand Soulac
Soulac 

Danach ging es entlang der französischen Küste weiter Richtung Süden nach Carcassonne (wegen der mächtigen Burganlage unbedingt besichtigen).

Festung von Carcassonne 
La Cité in Carcassonne
Pause nach Festungsrundgang in Carcassonne 

Am nächsten Tag flogen wir nach Aubenas in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, welcher Ort über einen kleinen Flugplatz in der französischen Berglandschaft verfügt. An diesem befand sich außer einer wahrscheinlich giftigen Schlange vor dem Tower niemand (ein „lost place“). Nach einer Trinkpause und einem Pilotenwechsel ging es weiter nordwärts in Richtung Colmar im Elsass (für diese malerische Stadt sollte man sich unbedingt Zeit nehmen).

Flugplatz Colmar
Colmar am Abend

Frankreich stellte dabei einen angenehmen Kontrast zu Großbritannien dar. Vieles wirkte unkomplizierter und pragmatischer und das Essen und vor allem auch die Weine waren natürlich Highlights.

Eine Besonderheit sind die zahlreichen unkontrollierten Flugplätze. Dort landet man mit Blindmeldungen, was zunächst ungewohnt sein kann. Üblicherweise erfolgt zuerst ein Überflug des Platzes rund 500 Fuß oberhalb der Platzrunde. Dabei überprüft man Windrichtung, Verkehrslage und Windsack, bevor man sich in die Platzrunde einordnet und landet.

Besonders spannend war, dass die Blindmeldungen offiziell auf kleineren Plätzen auf Französisch abgegeben werden müssen. Dafür gibt es standardisierte Phrasen. Dank Martins Französischkenntnisse konnten wir unsere Funksprüche auf Französisch durchführen und die Plätze regelkonform anfliegen. Das war eine interessante und zugleich sehr authentische Erfahrung.

Fazit

Unsere Flugreise nach England, Schottland, Wales und Frankreich war ein außergewöhnliches Erlebnis. Die formalen Anforderungen nach dem Brexit und die wetterbedingten Unsicherheiten verlangen zwar etwas Geduld und Flexibilität, werden aber durch die vielen positiven Eindrücke mehr als aufgewogen.

Großbritannien bietet faszinierende Landschaften, gastfreundliche Menschen und zahlreiche fliegerische Höhepunkte. Wer bereit ist, sich auf die besonderen Rahmenbedingungen einzulassen und seine Reiseplanung flexibel gestaltet, wird mit unvergesslichen Eindrücken belohnt. Das Fliegen in Frankreich gestaltete sich als erfreulich unkompliziert.

Alle von uns angeflogenen Plätze zeichneten sich durch akzeptable Landegebühren aus, bei einigen mussten wir gar nichts bezahlen. Im Großen und Ganzen lagen die Preise für Jet A1 (teilweise sogar weit) unter den Preisen bei uns. Positiver Spitzenreiter war Guernsey mit einem Grundpreis von 0,99 GBP.

Endlich wieder dahoam …  Donau bei Melk

Alles in allem war es eine wunderbare Reise, die uns lange in Erinnerung bleiben wird – mit vielen spannenden Flugstunden über Küsten, Inseln und Highlands und der Erkenntnis, dass Abenteuer oft genau dort beginnen, wo man bereit ist, gelassen mit Unwägbarkeiten umzugehen.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner