Auf eine Trüffelpasta nach Portorož

Text und Fotos: C. Siess und V. Goronjic

Valentin und Christoph sind jeweils seit knapp einem halben Jahr in Besitz ihrer PPL-Lizenz. Um das gelernte weiter zu festigen und den fliegerischen Horizont an der Grenze der bekannten Komfortzone langsam zu erweitern, gehen sie seither regelmäßig größere Flugprojekte gemeinsam an.

So kam es, dass einer der ersten größeren Ausflüge in diesem Jahr an die Süd-West Spitze von Slowenien führen sollte. Der Flughafen Portorož (LJPZ) ist ein beliebtes Ausflugsziel, beträgt die Flugzeit von LOAV aus doch nur gute 2 Stunden.

Der Tag beginnt mit dem üblichen Briefing über alle möglichen Informationsquellen – ACG berichtet großartige VMC. Einzig die eventuellen Gewitter am Nachmittag über Slowenien könnten das Projekt doch noch im letzten Moment scheitern lassen. So sitzen wir im Pilotenraum des MVC und diskutieren nochmal Wetter, mögliche Alternativziele und Routenänderungen, falls die 30% Gewitterwahrscheinlichkeit tatsächlich eintreten würden. Schlussendlich unterstützt uns die telefonische Beratung bei einem unserer Fluglehrer in der Entscheidung das Vorhaben wie geplant zu realisieren, wir beschließen die eventuell auftretenden Gewitter großräumig zu umfliegen.

Nach einem ausführlichen Preflight Check und dem üblichen Tanken geht es dann auch schon los. Der Flug sollte für uns „Greenhorns“ einiges an Lernmomenten bieten – das erste Mal ein Crossing eines Airspaces Delta außerhalb Wiens, das erste Mal Meer unter unseren Tragflügeln und die erste Landung an einem nicht deutschsprachigen Flugplatz.

Das Wetter hält, was es verspricht – Großartige Sichtflugbedingungen. Die Route führt uns initial auf Südwestkurs direkt in die Verantwortlichkeiten von Graz Radar. Wir hatten uns im Vorhinein natürlich informiert, dass das Durchqueren des Lufträumen dort üblicherweise problemlos möglich ist. Mit bester Unterstützung von Wien Information wurden wir von Gleisdorf direkt nach RADLY gecleared. Erstes Crossing eines Airspace Delta – Check.

Herrlicher Blick auf die Berge südlich von Reporing Point RADLY

In Slowenien wird oft entlang vordefinierter VFR-Routen geflogen – mit diesen kommt man recht unkompliziert an den Freigabepflichtigen Lufträumen von Ljubljana und Cerklje vorbei. Geplant – geflogen – wir genießen in gut 6000ft die Eindrücke eine völlig neue Landschaft und erinnern uns daran, dass Sichtflüge in Gebieten, die man vorher noch nicht von oben gesehen hat, etwas ganz Besonderes (und durchaus auch herausfordernd) sind.

Der Anflug nach Portorož gestaltet sich dann Entlang der Navigationspunkte PE1 und PE2 (Hafen Koper) als einfach und zugleich wunderschön. Und da war es dann – das ganz besondere Gefühl, das erste Mal über das Mittelmeer zu fliegen (wenn auch in Gleitdistanz zum Festland). Bei diesen tollen Eindrücken beschließen wir, eine Runde um die Stadt Piran zu drehen. „Request a left 360 turn around Piran (PN1) for a photo” sollte unser Funkspruch zum Tower sein. Der Towerlotse war überaus freundlich und hilfreich, und antwortete direkt mit “Roger, that is approved, report when finished”. Damit stand dem Sightseeing-Foto von Piran nichts mehr im Weg

Endlich über dem Meer !!
Im Anflug auf Portoroz von Norden

Am Schluss unseres Hinfluges gab es dann noch einen spannenden Moment. Der Gegenanflug auf Piste 33 verlief zuerst wie geplant. Wir haben dann aber doch bemerkt, dass der „final descent“ im Endanflug durchaus recht steil ausfällt. Kurz vor der (versetzten) Schwelle der Piste gibt es nämlich noch ein paar Hügel, die ein frühes Sinken verhindern. Beim ersten Anflug hieß es deshalb dann nur „DELFH – Going Around“ – so wie wir es gelernt haben. Nichts außergewöhnliches und sicherlich wesentlich besser, als die gute Aquilla mit Biegen und Brechen auf die Runway zu zwingen.

Der Tower in LJPZ wiederum war sehr hilfreich „Roger, join right downwind runway 33, report when abeam tower“. Die Erfahrung des Lotsen macht sich bezahlt – er bemerkt, dass wir vermutlich zum ersten Mal da sind, und sagt uns direkt „DELFH extend downwind“. Zeitgleich sagt er einem anderen Flieger hinter uns in der Gegend von Piran, dass dieser eine 360° Kurve fliegen soll, um uns etwas mehr Abstand zu geben. Dadurch wird die Situation für uns direkt etwas entspannter, und mit der Erfahrung des ersten Anflugs hat es beim zweiten Mal mit einem beherzten forward slip dann perfekt geklappt.

Nach dem Abstellen haben wir uns dann wie VIPs gefühlt, da wir nicht zur Tankstelle rollen mussten, sondern diese mit einem fuel truck direkt zu uns kam. Nachdem die gewünschte Menge sehr freundlich aufgetankt wurde, hat uns der Tankwart dann mit einem Golfcart mitgenommen und zum Terminal gebracht.

 

Die Tankstelle kommt zu uns – echter VIP Service !

Im Terminal selbst werden wir freundlich empfangen, die reservierten E-Bikes stehen schon bereit. Und so geht es per velo über einen wunderbar ausgebauten Fahrradweg entlang der Salinen und beeindruckender Hotels in Portorož in die schöne Altstadt von Piran.

Mit den E-Bikes an den Salinen vorbei..
…direkt in die Gasserln der Altstadt und dann..
…zum schönen Hauptplatz von Piran.

Bei einer Stärkung (wunderbare Trüffel Pasta und Cevapcici) und anschließendem Espresso mit Blick auf den wunderbaren Strand von Piran lassen wir die Seele noch etwas baumeln und denken uns: „Auf Pasta und Espresso nach Slowenien fliegen – leider geil“.

Hunger nach dem Flug wird gestillt!
…und der Schlaf nach dem Essen bekämpft!

Gestärkt geht es dann mit den E-Bikes wieder zurück zur D-ELFH, und nach einem weiteren Wetter-Briefing und Backtrack auf der Piste 33 geht es auch schon wieder los in Richtung Heimat. Die angekündigten Gewitter mit 30% Wahrscheinlichkeit waren glücklicherweise kein Problem, weshalb wir unsere ursprüngliche Route über Bled, Karawanken und den Wörthersee wählen konnten.

Bleder See
LOWK

 Kurz nach der Übergabe von Ljubljana Information auf Graz Radar wurde uns dann direkt “D-ELFH, cleared to cross” mitgeteilt – ohne, dass wir nochmals explizit das Queren des Luftraums Delta anfragen mussten. Wir waren wirklich überrascht, wie unkompliziert dies funktioniert hat. Hier zeigt sich, dass ein gut vorbereiteter Flugplan mit klaren Wegpunkten für den Ein- und Ausflug der Kontrollzone für die Lotsen eine wirkliche Hilfe ist. Auch in Graz konnten wir in 6.000 ft direkt über den Platz nach Gleisdorf fliegen.

Von dort ging es dann direkt weiter nach Pinkafeld und zur Burg Forchtenstein, ehe wir schon wieder sicher auf der Piste 31 in Vöslau gelandet sind.

Fazit: Portoroz ist auf alle Fälle eine Reise wert – die tolle Landschaft, das Fliegen über dem Meer, die freundlichen Lotsen und das leckere Essen haben uns beeindruckt.

Einige Eindrücke unserer Reise gibt es auch in bewegten Bildern:

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